Spielabbruch nach angeblicher Spuckattacke bei ESV Westbahn Linz gegen FC Blau Weiß Linz 1b
Samstag, den 19. Oktober 2013 um 20:38 Uhr
2. Klasse -
2. Klasse Mitte


Ein vorzeitiges und vor allem recht unschönes Ende fand die Partie zwischen der
ASKÖ ESV Westbahn Linz Schauer Bau und der
1b-Mannschaft des FC Blau Weiß Linz.
Bis zur 53. Minute bekamen die Zuschauer, die sich an diesem Samstag am
Westbahn-Platz eingefunden hatten, eigentlich ein recht faires Linzer
Derby zu sehen, in welcher die Reserve des Regionalligisten nach Toren
von Abdalla Sharef (40., 48.) und Dejan Misic (49.) mit 3:0 führte. Dann
aber verlor Miradz Demiri, nachdem er von Schiedsrichter Ertan Nacak
wegen eines Foulspiels mit Gelb-Rot vom Platz gestellt worden war,
scheinbar die Nerven.
Letztendlich ließ sich der Mazedonier im Dienste von Westbahn, laut
Aussage des Unparteiischen, zu einer Spuckattacke hinreißen, woraufhin
Referee Nacak die Begegnung, seiner Ansicht nach regelkonform,
unverzüglich abbrach.
ESV verschläft Start in die zweite Hälfte
Bevor es zu der bereits angesprochenen strittigen Szene überhaupt
kam, fand mehr als eine Halbzeit lang ein durch die Bank ganz normales
Fußballspiel statt, indem FC Blau Weiß Linz 1b zwar über weite Strecken
feldüberlegen war, jedoch nur selten wirklich gefährlich vor das Tor von
ESV-Keeper Patrick Edelmayr kam. Neben der gutsortierten Abwehr der
Hausherrn hatte die zweite Garnitur der Königsblauen auch mit dem nicht
gerade „Englischen Rasen“ so ihre lieben Probleme. Generell entwickelte
sich in den ersten 45 Minuten, zum Teil auch aufgrund des holprigen
Geläufs, ein sehr kampfbetontes, aber auf keinen Fall, unfaires Spiel.
So verteilte Schiedsrichter Ertan Nacak bis zur Pause lediglich drei
gelbe Karten. Als eigentlich alles schon nach einem torlosen ersten
Durchgang roch, gelang es den Gästen dann in Minute 40 doch noch ihr
spielerisches Übergewicht in Zählbares umzumünzen. Nach einem doppelten
Doppelpass konnte Westbahns Schlussmann Edelmayr einen Schuss der
Blau-Weißen noch parieren, den Abpraller verwertete dann aber Abdalla
Sharef zum 0:1. Der in dieser Saison bislang erfolgreichste Torschütze
des 1b-Teams von Blau Weiß bessert kurz nach Wiederbeginn sein
Trefferkonto weiter auf. Nur 60 Sekunden später konnte sich dann auch
sein Teamkollege Dejan Misic bejubeln lassen. Der 18-Jährige machte mit
seinem ersten Saisontor den kapitalen Fehlstart des ESV Westbahn in
Halbzeit zwei perfekt. Die Gäste, die nach dem Seitenwechsel sichtlich
einen Gang höher geschaltet hatten, hatten gerade einmal vier Minuten in
Hälfte zwei benötigt, um diese Partie zumindest vorzuentscheiden.
Auf Ampelkarte folgte Spielabbruch
In Minute 53 kam dann, nach einem Wechselpass von Blau Weiß 1b, der
bereits zuvor verwarnte Miradz Demiri deutlich zu spät. Westbahns Nummer
3 traf seinen Gegenspieler hörbar am Fuß. Schiedsrichter Ertan Nacak
bestrafte dieses Einsteigen mit der Ampelkarte. Zunächst schien sich der
Übeltäter mit seinem Ausschluss noch abzufinden, so machte er vorerst
einige Schritte in Richtung Seitenoutlinie, ehe er dann aber doch noch
umkehrte und vom Schiedsrichter eine Erklärung für seinen Platzverweis
verlangte. Als dieser die Proteste unkommentiert ignorierte, soll sich
Demiri zu einer Spuckattacke in Richtung der Beine des Unparteiischen
hinreißen haben lassen. Referee Nacak zögerte daraufhin keinen Moment
und brach die Begegnung, zum Ärger beider Vereine, umgehend ab.
Um Ihnen einen bestmöglichen und vor allem objektiven Überblick über
die Geschehnisse zu ermöglichen, folgen hier nun Stellungnahmen von
allen beteiligten Seiten:
Ertan Nacak (Schiedsrichter):
„In der 53. Minute habe ich Westbahns Nummer 3 nach einem Foulspiel,
bei dem es regelrecht gekracht hat, Gelb-Rot gezeigt. Der belangte
Spieler, der von Anfang an äußerst aggressiv zu Werke ging, zeigte sich
mit meiner Entscheidung offensichtlich nicht einverstanden und kehrte in
der Folge, nachdem er zunächst einige Meter weit weg stand, zu mir
zurück. Letztlich wurde ich dann von ihm angespuckt, wobei er mich wohl
am Stutzen getroffen hat. Gemäß den Regeln hab ich dann die Partie
abgebrochen, was ich versucht habe den Funktionären auch mitzuteilen.
Diese meinten dazu aber nur, dass es sich hierbei nicht um ein
Bundesligaspiel handeln würde und ich demnach weiterspielen lassen soll.
Das Regulativ gilt aber überall gleich und somit auch in der 2. Klasse
Mitte.“
Herwig Bindreiter (Sektionsleiter der ASKÖ ESV Westbahn Linz „Schauer Bau“):
„Wir haben uns umgehend nach dem Spielabbruch mit dem Gruppenchef der
2. Klasse Mitte in Verbindung gesetzt, denn was Schiedsrichter Ertan
Nacak in dieser Partie aufgeführt hat, war eine absolute Frechheit. Bis
zur besagten Szene, war überhaupt nichts Besonderes los. Vielmehr hat es
sich um ein ganz stinknormales Fußballspiel gehandelt, ohne jegliche
Gehässigkeiten. Der Ausschluss von Miradz Demiri nach seinem Foulspiel
war durchaus vertretbar. Als er, nachdem er Gelb-Rot gesehen hatte,
nochmals zum Unparteiischen hin ist und ihn gefragt hat, für was er ihn
überhaupt vom Platz stelle, soll er sich zu einer Spuckattacke hinreißen
haben lassen. Von 5 Metern Entfernung soll Demiri den Referee am Socken
getroffen haben. So etwas würde wahrscheinlich nicht einmal ein Lama
zustande bringen. Wer so etwas kann, spielt wahrscheinlich nicht
Fußball, sondern tritt im Zirkus auf. Den Abbruch hat letztlich keiner
verstanden. Auch Blau Weiß Linz wollte unbedingt weiterspielen, da sie
gehofft hatten in Überzahl noch etwas für ihr Torverhältnis tun zu
können. Dass der Schiedsrichter von irgendjemandem im Anschluss an seine
fatale Entscheidung bedroht wurde, ist absolut nicht wahr. Ein Versagen
des Ordnerdienstes lasse ich mir auf keinen Fall unterstellen. Wenn
jeder Unparteiische so agieren würde wie dieser, dann würde
wahrscheinlich jede zweite Partie wegen einer angeblichen Gefährdung
abgebrochen werden. Nachdem Schiedsrichter Nacak den Platz verlassen
hatte, erteilte er mir dann noch die Anweisung vor seiner Kabine mehr
oder weniger Wache zustehen. Als ich dann nach einer halben Stunde mal
gefragt habe, ob wir vielleicht das Ganze jetzt einmal abschließen
könnten und den Spielbericht unterzeichnen, meinte er dazu, dass er das
von zu Hause aus erledigen würde und er keine Unterschriften von den
Vereinsvertretern benötige. Man kann sich vorstellen, dass ich nach
diesem ganzen Theater stinksauer bin.“
Harald Leitner (Sportlicher Leiter und Spieler von FC Blau Weiß Linz 1b):
„Ich bin in der Szene, welche dann letztlich zum Ausschluss geführt
hat, unmittelbar daneben gestanden, da ich mir gerade den Ball für den
folgenden Freistoß zurechtgelegt habe. Ich möchte mir als Außenstehender
jetzt auf keinen Fall anmaßen Richter zu spielen, sondern einfach nur
das Wiedergeben was ich gesehen habe. Beim Foulspiel ist der
Westbahn-Spieler schlichtweg zu spät gekommen. So etwas kann schon
einmal passieren. Der Ausschluss war meiner Meinung nach sicherlich
gerechtfertigt. Während der Schiedsrichter die Gelb-Rote notierte,
kehrte dann Demiri zurück zum Unparteiischen, um ihn zu fragen, ob er
leicht ein Problem mit ihm habe und was der Grund für seinen
Platzverweis sei. Der Referee hat auf diese Frage keine Antwort gegeben,
woraufhin der Akteur des ESV auf den Boden vor die Füße seines
Gegenübers gespuckt hat. Schiedsrichter Nacak hat dann sofort die
Begegnung abgebrochen und das Spielfeld verlassen. Im Anschluss von
Gefahr in Verzug zu sprechen, wäre auf alle Fälle überzogen. Eine
handfeste Bedrohung war wohl nicht vorhanden, weshalb jeder eigentlich
auch weiterspielen wollte. Obwohl ich schon lange spiele habe ich
Derartiges noch nie miterlebt. Die ganze Situation war irgendwie
komisch. Ganz generell möchte ich diesen Anlassfall dazu nützen, um für
mehr Fair-Play im österreichischen Fußball zu werben. Schlussendlich
sitzen wir, sprich Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Fans doch alle
im selben Boot. Mehr Ehrlichkeit wäre auf jeden Fall wünschenswert,
wobei man wohl auch versuchen müsste, die Regeln, an die sich alle
halten sollten, so einfach wie möglich zu gestalten.
von Michael Obrecht
Quelle: http://www.ligaportal.at/